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Rechtfertigungslehre

Luthers Rechtfertigungslehre besagt, dass der Mensch nicht durch Werke allein, sondern letztlich nur durch den Glauben (sola fide) und die Gnade Gottes (sola gratia) gerechtfertigt werden kann. Mit der Rechtfertigungslehre schuf Luther ein Fundament für seine Kritik am Ablasshandel, die er in den 95 Thesen geübt hatte.

 
Augsburger Interim

Als Augsburger Interim (lat.: unterdessen, einstweilen) wird ein Reichsgesetz bezeichnet, das von Karl V. nach seinem Sieg über den Schmal­kal­dischen Bund 1548 am Augsburger Reichstag durch­gesetzt wurde. Erlassen als Sondergesetz für die evangelischen Reichsstände, sollte es die kirchlichen Verhältnisse solange einheitlich regeln, bis ein allgemeines Konzil die Religionsfrage endgültig entscheiden würde. Das Interim schrieb im Grunde die Dogmen und Zeremonien der katholischen Kirche fest, gestattete aber Laienkelch und Priesterehe.

 

Martin Luthers Disputation in Heidelberg und ihre Breitenwirkung

Verbreitung der reformatorischen Ideen

Die Universität Heidelberg bot Martin Luther schon wenige Monate nach der Veröffentlichung seiner 95 Thesen ein Forum, um seine reformatorischen Ideen außerhalb von Wittenberg öffentlich zu vertreten und gegen Kritiker zu verteidigen. Angereist zur Generalversammlung seines Ordens, leitete Luther am 26. April 1518 eine Disputation, in der er thesenartig die Rechtfertigungslehre – ein zentrales Moment seiner Theologie – darlegte. Die Disputation fand im Hörsaal der Artistenfakultät der Universität Heidelberg statt. Neben den Ordensmitglie dern nahmen an ihr auch Universitätsangehörige teil. Bei den Zuhörern fanden Luthers Thesen sehr unterschiedliche Aufnahme. Während sich sechs Theologieprofessoren und Artisten – Johann Hoesser, Peter Scheibenhart, Georg Schwartz, Markus Stier, Jodocus von Rohrbach und Lorenz Wolff – während der Disputation mit Kritik zu Wort meldeten und auch in späteren Jahren fest beim alten Glauben verharrten, reagierten vor allem junge Mitglieder der Artistenfakultät sowie Studenten mit begeisterter Zustimmung.

Die Verbreitung von Luthers Lehre

Martin Luther (1520)

Martin Luther, 1520

© The Metropolitan Museum of Art,
New York

Von insgesamt zehn Personen, die in den 1520er Jahren als evangelische Prediger und Reformatoren wirkten, ist gesichert, dass sie an der Disputation in Heidelberg persönlich teilnahmen oder – im Fall von Fagius – zumindest damals vor Ort waren. Es handelt sich dabei um Theobald Billican, Johannes Brenz, Martin Bucer, Georg Georg Ebner, Paul Fagius, Martin Frecht, Hartmann Hartmanni, Franciscus Irenicus, Erhard Schnepf und Wenzel Strauss. Diese in Heidelberg gewonnenen Anhänger Luthers entfalteten ihre Wirkung vorwiegend im südwestdeutschen Raum, vor allem in den Reichsstädten. Unter ihrem Einfluss wurde hier die Reformation verhältnismäßig früh eingeführt. Insbesondere Straßburg wurde durch Martin Bucers Wirken zu einem Zentrum der reformatorischen Bewegung. Letztendlich ist kaum zu beweisen, dass die genannten zehn Personen wirklich durch die Heidelberger Disputation für die Reformation gewonnen wurden. Dies ist in den meisten Fällen zwar sehr wahrscheinlich, einige von ihnen mögen einen ersten Zugang zu Luthers Ideen aber auch über andere Wege – etwa seine gedruckten Schriften – gefunden haben. Konkret belegt ist die Wirkung der Disputation allerdings bei Martin Bucer, der in einem Brief an seinen Freund Beatus Rhenanus ausführlich schilderte, wie sehr ihn das Erlebnis beeindruckt hatte. Auch ist zu betonen, dass die zehn, ausgehend von Luthers Lehre, teilweise individuelle theologische Ansätze entwickelten und daher nicht pauschal als Lutheraner zu bezeichnen sind. So erarbeitete sich Bucer bald eine eigenständige theologische Position.

Der weitere Teilnehmerkreis

Da keine Teilnehmerliste von der Disputation existiert, ist eine umfassende Studie ihrer Wirkung unmöglich. Folgende Personen und Gruppen sind bei der Erstellung der Karte unberücksichtigt geblieben:

  • Acht Mitglieder der Theologischen und Artistischen Fakultät – unter ihnen die fünf Kontrahenten Luthers –, die an der Disputation nachweislich teilnahmen, sich der Reformation aber nicht anschlossen.
  • Personen, die vermutlich an der Disputation teilnahmen, deren konfessionelle Überzeugung aber nicht maßgeblich durch Luthers Heidelberger Auftreten geprägt wurde. Dazu gehören etwa Luthers Ordensbrüder Johann Staupitz, Caspar Güttel und Johannes Lang, die mit seinen Ideen sicher schon im Vorfeld vertraut waren; Pfalzgraf Wolfgang, ein jüngerer Bruder des Kurfürsten, der 1515 Rektor der Wittenberger Universität war; und der Spiritualist und Historiker Sebastian Franck, der 1524/25 noch als katholischer Priester angestellt war und sich später täuferischen und schwenckfeldischen Ideen zuwandte.
  • Personen, die vermutlich an der Disputation teilnahmen, aber namentlich nicht bekannt sind. Dies betrifft vor allem die Augustinereremiten.

Vorbereitung und Finanzierung der Disputation Luthers

Vorbereitung und Finanzierung der Disputation Luthers

© Universitätsarchiv Heidelberg

Dass sich viele der Heidelberger Mönche in den folgenden Jahren der Reformation anschlossen, ist wahrscheinlich, da das Heidelberger Kloster dreißig Jahre später schon vollständig verlassen war. Andere, wenig bekannte evangelische Geistliche wurden als Studenten vielleicht ebenfalls Zeuge von Luthers Disputation, und haben möglicherweise seine Überzeugungen übernommen und verbreitet. Dafür spricht etwa die rasche Ausbreitung der Reformation im Kraichgau, das zum Einzugsgebiet der Universität gehörte. Wegen der schlechten Quellenlage ist es aber schwierig, solche Prediger und Pfarrer aufzuspüren und ihre Anwesenheit 1518 in Heidelberg zu beweisen. Die Vermutung jedoch, dass Heidelberger Studenten, von der Disputation beeindruckt, anschließend an die Universität Wittenberg wechselten, kann aufgrund eines Abgleichs der jeweiligen Matrikel ausgeschlossen werden.

Alternative Kommunikationswege

Dieser Beitrag soll nicht den Eindruck vermitteln, als sei die Wirkung von Luthers Heidelberger Thesen ausschließlich auf die persönlichen Aktionsräume und Wirkungsstätten der Reformatoren beschränkt gewesen. Luthers Thesen wurden auch durch enge briefliche Kontakte zwischen den Theologen verbreitet und lagen wenige Jahre nach der Heidelberger Disputation in gedruckter Form vor. Die 28 theologischen Thesen wurden erstmals 1520 in Paris und in Zwolle (Niederlande) gedruckt, die gesamten 40 Thesen 1530 in Wittenberg.

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Letzte Änderung: 06.11.2012
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